Gönne deiner Seele einen Blick

Bevor der Tag zu Ende geht, gönne deiner Seele einen Blick! Schau sie an, deine Seele! Sie gehört ja dir, sie war mit dir bei all deinen Tun und Lassen, bei deinem Denken, Reden und Tun. Du hast sie gebraucht. Ohne sie hättest du gar nichts zustande gebrecht.

Jetzt schau sie an und frage: Wie hast du sie behandelt? Hast du sie auch einmal aufatmen lassen, frei, angehindert – zu Gott? Oder hast du sie nur immer an irdischen Dinge gebunden? Nur an den Staub der Erde? An Geld und Gut?

All das vergeht und verweht. Und doch hat deine unsterbliche Seele an allem Vergänglichen und Sterblichen kein echtes Gefallen, keine Freude. Bei all dem fühlt sie sich einsam, so verlassen, so vernachlässigt. Du tust ihr Unrecht, wenn du ihr nie oder nur alten ein freies Atmen, ein Denken zu Gott gewährst. Hörst du, du tust deiner Seele Unrecht. Du missbrauchst sie, vergewaltigst sie. Ein kleines Stoßgebet von Zeit zu Zeit würde Wunder wirken – würde sie zufrieden stellen, sie tüchtiger machen zur Arbeit, zum Leid, zu allem.

Gönne darum deiner armen Seele doch wenigstens einen Blick nach oben, wenn der Tag beginnt, wenn er verläuft und zu Ende geht! Lass sie von Zeit zu Zeit aufatmen zu Gott, sich versenken in Gott!
Das braucht sie, das bist du deiner Seele schuldig!

„Rufe zu Mir in den Tagen der Trübsal,
und ich will dich retten.“  (Ps. 49, 15.)


Quelle: Weggeleit – P. Jakob Koch SVD. – St. Gabriel-Verlag, Wien

 

 

Oratorium der Wundertätigen Medaille